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28 Jahre ist Dominik Stilb, der im Herbst in Trier ein Sportstudium
beginnt. Bevor sich der gebürtige Clausener mit diesem "Ernst des
Lebens" beschäftigt, hat er sich einen Lebenstraum verwirklicht. Seit
Anfang Februar hält er sich in Neuseeland auf, fern ab von normalen
touristischen Pfaden. Dominik hat sich vorgenommen das "weite Land" und
seine Bewohner so kennenzulernen, wie sie wirklich sind! Über einige
seiner Erlebnisse in Neuseeland berichtet er in den nächsten Monaten.
Warum seine Artikel bei JuPi erscheinen? Ganz einfach. Dominik ist Mitarbeiter des CVJM Pirmasens und des Deutschen Verbandes für Abenteuersport, Region Pfälzerwald (DVA), somit ein Teil ehrenamtlicher Jugendarbeit. Der Modellathlet verbringt viel Zeit mit Kids, etwa bei Zeltlagern und engagiert sich als Übungsleiter des DVA, ebenso wie Bruder Manuel. Auch Mutter Renate hat ein "Herz für Jugendliche" und ist als "Küchenchefin" bei CVJM-Camps aktiv. Für die Neuseeland-Tour hat der ehemalige Polizist bereits im letzten Jahr ein "Trainingslager" in Gran Canaria absolviert, bei dem er tolle Erfahrungen sammelte. Allerdings, wer eine solche Tour unternimmt, muss physisch wie psychisch sehr leistungsfähig sein und auf das "normale Touristengepäck" verzichten. Seine Fitness holt sich Dominik beim Klettern, Kanu- oder Radfahren, auch beim Training mit Gewichten, wie ihm unschwer anzumerken ist. Sportliche Aktivitäten aller Art reizen den ehemaligen Leichtathleten
des LV Kö Pirmasens zu jeder Zeit. Aber auch mit dem Klavier oder der
Gitarre kann er gut umgehen. Für spannende Gesellschaftsspiele macht er
schon einmal die Nacht zum Tag. Bis 15. Juni 2002 wird Dominik Stilb in
Neuseeland verweilen. Anschließend ist er als Mitarbeiter für den CVJM
in der Tarnschlucht (Frankreich) und danach gemeinsam mit dem Bruder
aktiv bei einer DVA-Kletterfreizeit in Frankreich.
Glücklicherweise liegt dieses Hotel in einem Außenbezirk Aucklands, der größten Stadt Neuseelands, so dass man vom Großstadtverkehr nichts mitbekommt. Was liegt näher, als den Tag mit der Besteigung des Mt Eden, der seinen paradiesischen Namen sehr wohl verdient hat, zu beginnen. Nachdem ich die Spitze des 196 Meter hohen Vulkankegels erreicht habe, bietet sich mir eine atemberaubende Aussicht auf die Skyline Aucklands und seine Außenbezirke, die trotz der großen Einwohnerzahl von über einer Million Menschen so viel an Grün zu bieten haben, dass man sie allenfalls einer Kleinstadt zuschreiben würde. Weiter geht’s mit Sack und Pack in ein nahegelegenes Cafe, in dem ich einen zu Unrecht wegen seines Geschmacks so gescholtenen Kaffee genießen darf, während im Hintergrund die Melodie von Mr. Bojangles die Urlaubsstimmung komplettiert. Der Ausdruck "easy goin’" spiegelt sich in dieser Szenerie wider, wie man sie besser nicht nachstellen könnte. Das Cafe ist zur Hälfte mit Menschen gefüllt, die die verschiedensten Arten von Kaffees, Cappuchinos oder Moccas trinken, dabei Zeitung lesen oder in aller Seelenruhe mit ihrem Tischnachbar plaudern. Der eine oder andere hat noch einen Muffin oder original apple-strudel vor sich stehen. Das Wort "Eile" scheint man in einem neuseeländischen Wörterbuch vergeblich zu suchen. Ich könnte hier noch Stunden sitzen, ohne das Gefühl zu bekommen, Zeit zu vergeuden oder irgendetwas zu verpassen. Irgendwann ist es dann doch so weit, und ich entscheide mich zum Aufbruch. Der Cafebesitzer strahlt mich auf die Frage, wie ich denn am besten nach Hamilton komme, an und meint, seine Frau bringe mich sehr gerne zu der Stelle, von der man am besten mitgenommen wird. Hitchhiking, das Reisen per Anhalter, ist hierzulande üblich, und man lernt sehr schnell Land und Leute kennen. Die Frau des Cafebesitzers kutschiert mich also quer durch die Stadt, um mich mit den besten Wünschen und einem Lächeln im Gesicht zu verabschieden. Das nächste Lächeln ernte ich von John, der mich ein Stück Richtung Hamilton mitnimmt. Jede zweite Antwort von ihm lautet "cool" oder "choise", was so ungefähr dasselbe bedeutet. Karin ist eine immigrierte Deutsche, die seit 13 Jahren in Christchurch wohnt. Während der einstündigen Fahrt erklärt sie, dass sie mehr Neuseeländerin als Deutsche sei. Prompt lädt sie mich ein, für eine Woche bei ihr zu wohnen, wenn ich in Christchurch vorbeikomme. Nach einem verregneten Nachmittag in Hamilton frage ich eine ältere Dame nach dem Weg. Sie bittet mich, ihr nach Hause zu folgen, lädt mich in ihr Auto und bringt mich ein Stück näher zu meinem Ziel, wobei auch sie mir anbietet eine Weile bei ihr zu bleiben, falls ich wieder in die Stadt kommen sollte. Auf dem Weg nach Pirongia nimmt mich dann Phil mit. Er wohne dort und freue sich, mir weiterhelfen zu können. Als ich dann von dem Track, den ich im Pirongio Forest Park wandern möchte, erzähle, hält er sofort am Straßenrand an und erläutert mir anhand der Karte für ganze 30 Minuten den Verlauf des Tracks und seine Besonderheiten. Plötzlich kommt ihm die Idee, er könne mit mir wandern. Er habe den Track schon lange nicht mehr gemacht. Eh’ ich mich versehe, sitze ich zu Hause bei seinen äußerst freundlichen Eltern Joan und Toni und esse zu abend. Dass ich, wie geplant auf dem Campingplatz nächtige, steht überhaupt nicht zur Debatte. Stattdessen darf ich mich in ein eigenes Zimmer einnisten, wo ich mein Gepäck, das ich während der zweitägigen Wanderung nicht brauchen werde, liegenlassen kann. In einem Supermarkt im Nachbarort kaufen wir noch Verpflegung für die nächsten Tage ein. Dort spricht uns eine Frau an, wonach wir denn suchen. "Wie, trampen? Mein Sohn läuft Marathon. Ich kenne mich mit Ernährung für Sportler aus", ist ihr Kommentar. Sie lässt einfach ihre Einkäufe stehen und liegen, lotst uns quer durch den Supermarkt und gibt uns Ratschläge, was wir am besten mitnehmen sollten. Auf meine Frage, ob Phil die Frau kenne, meint er nur: "Nö, das war eben eine Neuseeländerin." Phil’s Boss bemerkt treffend, als er für zwei freie Tage gebeten wird, obwohl es im Geschäft zur Zeit "very busy" zugeht: "Geh’ los und hab’ Spaß. Das Leben ist zu kurz, um die ganze Zeit im Büro zu sitzen." Zwischen Phil und mir hat sich während der Trampingtour, die einen eigenen langen Bericht in Anspruch nehmen würde, eine Freundschaft entwickelt, so dass uns der Abschied schwergefallen ist. Dies waren keine Glücksfälle oder Ausnahmen, hier in Neuseeland trifft man ständig solch offene Menschen. Man fragt nach einer Bäckerei, und im nächsten Augenblick sitzt man im Kreise der Familie beim Abendessen und bekommt noch drei Adressen von Freunden und Verwandten zugesteckt, die man unbedingt noch besuchen müsse. Von wildfremden Menschen in einem fremden Land so unvoreingenommen herzlich behandelt zu werden und das Gefühl des Willkommenseins vermittelt zu bekommen, ist eine Erfahrung, die jeder einmal erleben sollte und wenn man dafür bis ans Ende der Welt fliegen muss. Fortsetzung folgt |
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letzte Änderung am : 21.04.2002, 20:00 |